Häufig gestellte Fragen PDF Drucken E-Mail


Was soll ich machen, wenn meine Angebote nicht angenommen werden?

Die Frage ist nicht ganz unberechtigt. Zwar bietet jedes neue Mitglied irgendetwas an, sonst hätte die Mitgliedschaft keinen Sinn. Aber je stärker ein Mitglied in seinem Angebot spezialisiert ist, desto größer die Gefahr, dass es dazu keine passende oder - bei mehreren konkurrierenden Angeboten - keine ausreichende Nachfrage gibt. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich auch bei einem Tauschring um ein Markt-System handelt, in dem Angebot und Nachfrage herrschen und in dem Angebots- oder Nahfrageungleichgewichte vorkommen können.

Wichtig ist vor allem, die Tauschringmitglieder über die eigenen Angebote zu informieren. Das geschieht vornehmlich in der Marktzeitung, aber auch Mundpropaganda spielt durchaus eine Rolle. Im übrigen empfiehlt es sich immer, die Marktzeitung einmal unvoreingenommen durchzublättern oder sich bei aktiven Tauschring-Mitgliedern umzuhören. Dabei werden Sie wahrscheinlich feststellen, daß Sie bestimmte Dienstleistungen ebenfalls erbringen könnten, selbst wenn es sich um Tätigkeiten handelt, die für Sie ungewohnt sind.

Warum nicht einmal im Garten mit anpacken oder beim Umzug helfen? Auch auf nicht-professionelle Hilfeleistungen sich einzulassen, das ist im Sinne echter Nachbarschaftshilfe sogar sehr wünschenswert. Solche Leistungen werden meistens nicht, wie bei der traditionellen Erwerbsarbeit, regelmäßig und im Achtstundentag erbracht werden, sondern von Fall zu Fall, ganz wie Sie es vereinbaren. Das erleichtert oft die Entscheidung, einmal etwas ganz Anderes zu tun. Und meist lernt man dabei auch, wie nebenbei, nette Leute kennen. Wenn Sie aber absolut nicht klarkommen, beraten wir gern mit Ihnen zusammen, was man tun könnte. Ob ein neues Mitglied mit seinen Tauschangeboten erfolgreich gewesen ist, wird ein Jahr nach dem Eintritt überprüft, und erst dann wird die endgültige Aufnahme beschlossen.

Wie kann ich etwas nachfragen, wenn ich kein Guthaben besitze?
Eigentlich, so hatten wir zu Beginn unseres Tauschrings gedacht, sollte das kein Problem sein. Denn mit Ihrer Erstnachfrage (auch wenn Sie sich damit erstmal verschulden) schaffen Sie ja Beschäftigung für andere Tauschringmitglieder - die damit wiederum in die Lage versetzt werden, ihr Guthaben für Käufe bei anderen Mitgliedern zu verwenden.

Laut Tausch-bedingungen ist es sogar möglich, sein Klümpchenkonto bis zu 1001 Klümpchen zu überziehen, und - wenn eine Genehmigung des Vorstandes vorliegt - sogar noch darüber hinaus. Das kommt durchaus vor, etwa wenn eine größere Renovierung bevorsteht. Inzwischen haben wir dazugelernt.

Die Möglichkeit, sich bis zum Limit von 1001 Klümpchen zu "verschulden", ist vor allem für "gestandene" Tauschringmitglieder gedacht, die hinlänglich unter Beweis gestellt haben, dass sie nicht nur nehmen, sondern auch geben können und wollen. Keinesfalls soll geduldet werden, dass ein Mitglied sich von vornherein bis zum Kreditlimit verschuldet, selber keine Leistungen erbringt und sich dann - im Vertrauen auf die Zinslosigkeit des Kredits - sozusagen zur Ruhe setzt.

Leider haben wir solche Erfahrungen mehrfach machen müssen. Wir haben daher die Regel eingeführt, dass ein Neumitglied zunächst eine einjährige Probezeit absolvieren muss, in der es unter Beweis stellen muss, dass es am Tauschgeschehen (Geben und Nehmen) aktiv teilnimmt und vor allem in der Lage ist, seinen Klümpchen-Mitgliedsbeitrag bereits im ersten Jahr selbst zu erwirtschaften.

Weiterhin gilt: Wer einen größeren (zinslosen) Kredit in Anspruch nimmt, ist gehalten, sein Konto innerhalb einer überschaubaren, zu verabredenden Zeit durch eigene Leistungen wieder auszugleichen. Dazu gibt es jeweils eine spezielle Vereinbarung mit dem Vorstand. Verhaltensregel: Man ist immer auf der sicheren Seite, wenn man dafür sorgt, dass Einnahmen und Ausgaben sich innerhalb eines Jahreszyklus? in etwa die Waage halten.

Was nützt mir ein Tauschring, wenn ich voll erwerbstätig bin?
Ein Blick in die Marktzeitung könnte Sie überzeugen, dass über den Tauschring eine Reihe von Dienstleistungen angeboten werden, die Sie auf dem freien Markt nicht so leicht erhalten können oder die Sie im eigenen Haushalt notgedrungen, aber nur sehr ungern tun.

Sie können diese Dinge im Tauschring von anderen erledigen lassen, und die so ersparte Zeit können Sie dazu benutzen, für andere Tauschringmitglieder etwas zu tun oder zu machen, was Sie ohnehin gut können und auch gern tun.

Wie kommen die "Preise" in Klümpchen zustande?
Das ist Verhandlungssache. Wenn Sie ein Klümpchen in etwa einem halben Euro gleichsetzen (2 Kl. = 1 Euro), können Sie sich z.B. an den üblichen Durchschnittslöhnen orientieren. Aber wie im normalen Geschäftsleben werden für qualifizierte oder auch für schwere Arbeiten höhere "Entlohnungen" gefordert und gezahlt werden als für weniger qualifizierte oder leichte Arbeiten.

Eine Gruppe von Mitgliedern hat sich freiwillig verpflichtet, für von ihnen angebotene Leistungen nicht mehr als 15 Klümpchen pro Stunde zu verlangen. In der Mitgliederliste sind diese Teilnehmer mit einem Stern ausgewiesen. Andere Tauschringe bevorzugen eine reine Zeitwährung, wo Zeitstunde gegen Zeit-Stunde gerechnet wird, egal ob es sich um eine Stunde Garten- oder Büro- oder Reparaturarbeit oder um Beratungstätigkeit handelt.

Das alles sind Dienstleistungen. Als Hauptnachteil einer reinen Zeitwährung wird gesehen, dass dadurch der Austausch von materiellen Produkten, beispielsweise Selbstgemachtes oder gebrauchte Sachen - das sind in unserem Tauschring ca. 20% der Tauschvorgänge - entweder ausgeschlossen oder nur mit abenteuerlichen Umrechnungs-Kunststücken zu bewerkstelligen wäre.

Und wenn der Leistungserbringer auch Euro-Auslagen hat?
Dann gibt es eine gespaltene Rechnung: eine in Klümpchen für die geleistete Arbeit oder für selbst erstellte Produkte, eine andere in Euro für die mit der Leistung verbundenen Euro-Auslagen, z.B. für Fahrtkosten oder für Material. In der Tauschzentrale verbucht werden nur die Klümpchen-Transaktionen.

Muss ich mit jedem Mitglied Tauschgeschäfte tätigen?
Nein, Sie sind völlig frei zu entscheiden, mit wem Sie ins Geschäft kommen wollen und mit wem nicht. Sie müssen die Ablehnung einer Leistung auch nicht begründen, allerdings sollte dies in einem Tauschring, der auf gegenseitige Hilfestellung angelegt ist, die Ausnahme bleiben. Wer wirklich nicht in der Lage ist, eine von ihm/ihr erwartete Leistung zu erbringen, sollte dies freundlich und plausibel erklären und möglichst zusammen mit dem Nachfrager nach einer anderen Lösung suchen.

Und wenn ich mit der Leistung meines Tauschpartners nicht zufrieden bin?
Das kann natürlich, wie selbst bei gut gemeinter Nachbarschaftshilfe, vorkommen. Um Missverständnisse oder Enttäuschungen von vornherein zu vermeiden, klären Sie vor der Erteilung des Auftrages die Frage der Qualifikation, des Leistungsumfangs, des vorgesehenen Zeitrahmens und der Entlohnung mit Ihrem potenziellen Tauschpartner ab. Lassen Sie sich gegebenenfalls Referenzen nennen, wenn Sie Zweifel haben.

Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass die Redaktion der Marktzeitung nicht in der Lage ist und auch nicht die Aufgabe hat, die Qualität der einzelnen Tauschangebote zu überprüfen. Daher schließen die Teilnahmebedingungen eine Haftung des Vereins für Forderungen der Mitglieder untereinander aus. Bei Beschwerden grundsätzlicher Art informieren Sie bitte den Vorstand.

Wenn jemand nur nimmt, Schulden anhäuft und verschwindet?
Diese Art der Trittbrettfahrerei, die wir in der Gründungsphase für eine eher theoretische Möglichkeit gehalten und daher unterschätzt haben, ist auch in unserem Tauschring mehr als einmal vorgekommen, so dass wir Schutzmaßnahmen ergreifen mussten. Von Anfang an galt die folgende Regelung: Das jedem Mitglied eingeräumte Kreditlimit beträgt 1001 Klümpchen, und es kann auf begründeten Antrag (z.B. für einen größeren Auftrag) auch erhöht werden.

Wenn das genehmigte Limit von einem Mitglied überschritten und die Überziehung trotz Mahnung nicht zurückgeführt wird, erscheint ein entsprechender Vermerk in der Mitgliederliste, und die Tauschbons dieses Mitgliedes werden bis auf weiteres nicht mehr verbucht.

Inzwischen haben wir speziell für austretende Mitglieder, die noch ein Klümpchen-Defizit haben, neue Regeln eingeführt, durch die der Kontoausgleich notfalls auch durch eine entsprechende Kompensation in Euro gewährleistet wird. Dabei ist auch die Einschaltung ordentlicher Gerichte als letzte Möglichkeit vorgesehen.

Und umgekehrt: Sollte man größere Guthaben aufbauen?
Obwohl keine Habenzinsen gezahlt werden, und obwohl es in einem bestimmten Rahmen "Kredit umsonst" gibt, versuchen doch die meisten Teilnehmer, zunächst einmal ein kleineres Klümpchen-Guthaben aufzubauen. Das ist auch gut so und jedes Neu-Mitglied ist ja sogar gehalten erst einmal auszuprobieren, ob die von ihr oder ihm angebotenen Dienste auch wirklich "ankommen".

Anders sieht die Sache aus, wenn jemand größere Klümpchen-Guthaben aufbaut und diese über längere Zeit festhält, d.h. nicht wieder ausgibt. Die Gründe sind manchmal plausibel: Vielleicht soll für eine größere Ausgabe gespart werden. Aber wenn zu viele Mitglieder über eine zu lange Zeit wie die Hamster auf ihren Klümpchen-Schätzen sitzen, dann hat dies für den Tauschring insgesamt fatale Folgen.

Denn wer nur anbietet, immer größere Klümpchen-Guthaben anhäuft und über längere Zeit nichts oder fast nichts nachfragt, wirft Sand ins Getriebe des lokalen Tauschrings. Anderen Tauschringteilnehmern werden dadurch Beschäftigung und entsprechende Klümpchen-Einnahmen (die wieder zu Ausgaben werden könnten) vorenthalten.

Außerdem: Wer eine größere und zeitlich konzentrierte Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte, sollte überlegen, ob er/sie nicht einen (natürlich zinslosen) speziellen Kredit in Anspruch nehmen will. Über Kreditanträge, die über den normalen Überziehungsrahmen hinausgehen, entscheidet der Vorstand, wobei natürlich auch über den geplanten Umfang und den Zeitraum der Rückzahlung gesprochen wird.

Wer aber grundsätzlich darauf aus ist, so etwas wie einen größeren Reservefonds für später aufzubauen, wäre besser bei dem Aachener Nachbarschaftsring Öcher Frönnde aufgehoben. Hier kann und soll man Leistungsguthaben für später ansammeln. Näheres dazu unter www.oecher-froennde.de.

Hans-Jürgen Harborth